Die Fackel des Glaubens brennend halten und weitergeben Nyomtatás
2018. július 23. hétfő, 08:32

Zur 59. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting hat das St. Gerhardswerk Stuttgart eingeladen. Unter dem Motto „Gottes Wort leben – wie Maria“ versammelten sich am 7. und 8. Juli zu vier Gottesdiensten zahlreiche Donauschwaben aus Deutschland, Österreich, Südosteuropa und Übersee.

 

Eröffnungsgottesdienst mit Vortrag

In der Stiftskirche zelebrierten am Samstagnachmittag Stiftskanonikus Johann Palfi und Msgr. Andreas Straub EGR. Palfi gab seiner Freude über das erneute Zusammensein Ausdruck, Straub, der Senior unter seinen Priesterkollegen, erinnerte daran, dass die Kirche im Kommunismus ein Hort der Wahrheit gewesen sei, wo die Gläubigen in Worten und Taten Zeugnis ablegten. Das Vaterunser wurde daraufhin in deutscher, ungarischer und rumänischer Sprache gebetet, dann die Litanei zu Ehren des donauschwäbischen Patrons, des hl. Gerhardt, bevor drei Lieder das Kirchenschiff durchhallten, feierlich vorgetragen vom Jugendblasorchester Lambert Steiner aus Sanktanna im Banat.

Das Orchester, das den Namen eines einst international bekannten Kapellmeisters trägt, war im Mai 2013 in Sanktanna mit Hilfe des Vorsitzenden Johann Kerner vom Verein „Valores, Hilfe-Jugend-Kultur e. V.“ aus Neumarkt i. d. OPf. sowie der HOG Sanktanna mit dem Kulturbeauftragten Anton Bleiziffer gegründet worden. Viele Instrumente, Partituren und Notenständer kamen als Spende aus Deutschland. Die 40 jugendlichen Musiker im Alter von 8-18 Jahren unter Leitung von Prof. Dan Miculit begleiteten zusammen mit den sechs Marienmädchen aus Sanktanna alle Gottesdienste der Wallfahrt mit geistlichen Melodien und beeindruckten durch den voluminösen und getragenen Klang ihres Ensembles. Finanziell ermöglicht wurden ihre mit viel Applaus bedachten Auftritte fern der Heimat durch den Verband der Diözesen Deutschlands in Bonn.

„Die Sowjetisierung Ungarns“ war dann das Thema von Dr. Kathi Gajdos-Frank, der Direktorin des Jakob-Bleyer-Heimatmuseums in Budaörs. Sie befasste sich mit Rückgriff auf die Forschungsarbeit ihrer 2012 eingereichten Dissertation mit dem Verhältnis der neuen Staatsmacht zur deutschen Minderheit in den Jahren 1945 bis 1956. Das Schicksal der Ungarndeutschen war fast ein halbes Jahrhundert lang ein Tabuthema, kein Wunder angesichts des unrechtmäßigen Charakters der Maßnahmen, unter denen die Schwaben unschuldig gelitten haben: unter Verschleppung, Vertreibung und Diskriminierung über Jahrzehnte hinweg. Entscheidend für ihre kollektive, im Vergleich zu anderen Volksgruppen unverhältnismäßig harte Bestrafung war ihre ethnische Zugehörigkeit und das für die Kommunisten zentrale Ziel, unter Ausnutzung der historischen Gelegenheit das nicht geringe Vermögen der Schwaben enteignen zu können. Nach dem Systemwechsel 1989 anerkannte die ungarische Regierung, wie ungerecht es war, dass die neue sowjetisierte Staatsmacht mit Hilfe der Sicherheitsdienste die Ungarndeutschen enteignete und vertrieb, überwachte, verhaftete, internierte, in sowjetische Arbeitslager transportierte, ihnen selbst nach ihrer Entlassung noch jahrelang in ungarischen Lagern wie Tiszalök das Leben zur Hölle machte, ihnen schließlich auch noch die Volkszugehörigkeit und die deutschen Namen stahl. Die Referentin schloss mit der Maxime von Papst Johannes Paul II., dass es keine guten und keine schlechten Völker gebe, sondern nur gutes und schlechtes Tun.

 

Vorabendgottesdienst und Lichterprozession

Den Gottesdienst um 20 Uhr in der Basilika St. Anna zelebrierten Dekan Karl Zirmer, Msgr. Andreas Straub, Stiftskanonikus Johann Palfi, Pfr. Peter Zillich und Pfr. Adam Possmayer. In seiner Predigt wies Dekan Zirmer darauf hin, dass der christliche Glaube weder altmodisch noch überholt, keine theoretische Überzeugung, vielmehr eine alles durchdringende Lebensform sei. Die Bewohner von Nazareth waren für Jesu Botschaft nicht offen, als er erstmals dorthin zurückkehrte, sondern nahmen angesichts seiner Herkunft aus ihrer Mitte Anstoß daran, erwarteten von einem Messias stattdessen etwas Wunderbares. Ihre Reaktion ziehe sich, so Zirmer, wie ein roter Faden durch Jesu Leben und bis in unsere Tage. An Maria als Mutter der Glaubenden könnten wir unsere Fürbitten richten, um an Gottes Liebe zu uns Menschen zu glauben, was „manchmal unsagbar schwer sein kann“.

Nach dem Gottesdienst bewegte sich eine Prozession von Kerzenlichter tragenden Pilgern in der Abenddämmerung zur Kapelle und umrundete sie betend zwei Mal. Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl hielt dort den Pilgergottesdienst, Dekan Zirmer eine kurze Ansprache, und Pfr. Zillich begleitet dann auf seiner Ziehharmonika bei einbrechender Dunkelheit inbrünstig gesungene Lieder wie den Favoriten der Altöttinger „Segne Du, Maria“ oder „Meerstern, ich dich grüße“.

 

Pontifikalgottesdienst

Am Sonntagmorgen bildeten Trachtenträger und Fahnenabordnungen, die Träger des Kreuzes und der Marienstatue, Marienmädchen, Geistlichkeit und Prominenz die Spitze der Prozession, die sich unter den Klängen der Blaskapelle der HOG Sanktanna über den Kapellplatz zur Basilika bewegte.

Josef Lutz begrüßte als Stellv. Vorsitzender des St. Gerhardswerks in der neubarocken, bis zum letzten Platz besetzten Basilika die zahlreichen Pilger und Aktiven. Er bedankte sich bei ihnen für ihre Teilnahme und die engagierte Mitarbeit sowie bei allen Unterstützern und Förderern dieser Gelöbniswallfahrt für ihren Beitrag. „Wir haben in Altötting an diesen zwei Tagen einen ganz großen Schatz unseres Glaubens verwaltet.“

Peter-Dietmar Leber, der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, reflektierte in seinem „Wort des Laien“ die Gemeinschaft stiftende und Grenzen überwindende Kraft des Glaubens. Als Kind einer Grenzregion, in der Rumänien, Serbien und Ungarn aufeinander treffen, sei er geprägt vom Erleben der donauschwäbischen Gemeinschaft, von der er immer noch zehren könne. Diese Gemeinschaft nährte sich durch tief empfundenen Glauben und Volksfrömmigkeit, Mundart, überlieferte Werte und Traditionen. Trotz neuen Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg und sehr unterschiedlichen Schicksalswegen in den drei Heimatstaaten hätten die Donauschwaben ihren Glauben nie verloren und könnten ihn heute offen über alle Grenzen hinweg in der Gemeinschaft bekunden. Als integrative Figur verstand Leber den Begründer der Altöttinger Gelöbniswallfahrt Pater Wendelin Gruber, dessen Leben er Revue passieren ließ. Die von ihm gelegte Saat trage uns bis heute. Auch die Sorge Papst Benedikts XVI. um das vom Kommunismus moralisch zerstörte Europa und seine stille Hilfe, die er mancher Pfarrei im Banat angedeihen ließ, erwähnte der Vorsitzende. „Wir können stolz darauf sein, dass wir den Prüfungen der atheistischen Regime des 20. Jahrhunderts als Gemeinschaft getrotzt haben“, sagte Leber und überwand auch mit seinen abschließenden Worten Grenzen, indem er das Verbindende in den Mittelpunkt stellte: „Wir wollen eine Gemeinschaft bleiben, die um ihre Wurzeln weiß, die ihren besonderen Weg kennt und die gewillt ist, dieses Erbe zu teilen.“

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer aus Regensburg begrüßte die Wallfahrer in der Herzmitte Bayerns. Es bewege ihn tief zu sehen, mit welcher Liebe die Donauschwaben ihre ererbten Traditionen pflegen. Zwar sei er kein Angehöriger dieser Volksgruppe, aber als Sohn einer sudetendeutschen Mutter kenne er aus eigener Anschauung die Not von Flucht, Vertreibung, Neuanfang sowie das Ringen um Identität, aber auch allen Segen, den die Heimatvertriebenen für das Nachkriegsdeutschland bedeuteten. In seiner Predigt erinnerte Voderholzer an den so genannten „Fürstentag“ von Altötting am 10. März 1681. Damals wurde angesichts der Wien und damit Europa bedrohenden Türken die Allianz zwischen Kaiser Leopold I. von Österreich und dem jungen Kurfürsten Max Emmanuel von Bayern geschlossen. Schon zwei Jahre später trat der Bündnisfall ein: Bayern stand dem Kaiser bei der Befreiung Wiens bei. „In der Folge kam es dann zur Besiedlung des rückeroberten Raumes in den Weiten Pannoniens. Und das sind die Anfänge der Donauschwaben.“ Der Bischof lobte die Vertriebenen für ihren zukunftsorientierten Aufbauwillen nach der Katastrophe von Flucht und Vertreibung und dankte ihnen „für all die Glaubenskraft und Liebe zur Kirche“, einen Glauben, „der oftmals gestählt und gereinigt war durch die Erfahrung bitterer Not, die zu bestehen der Glauben überhaupt erst möglich gemacht hatte“. Große Verdienste hätten sich die Heimatvertriebenen auch durch ihre Versöhnungsbereitschaft erworben. Während jedoch die Vorfahren der Donauschwaben einen „kulturellen und religiösen Schutzschild für Europa“ bildeten, sähen heute viele „die Gefahr einer drohenden Islamisierung Mitteleuropas, nicht durch kriegerische Eroberung und Besatzung, sondern durch Asylgewährung und Fruchtbarkeit“. Der Islam, so Voderholzer, sei von seinem theologischen Wesen her „der Widerspruch zum Christentum, und von daher ist kulturell allenfalls ein Nebeneinander möglich“. Der Westen müsse aber nicht so sehr die Bedrohung von außen fürchten, sondern weit mehr die von innen, die eigene Glaubensschwäche und Unlust an der Zukunft, die sich auch in einer „Unlust an Nachkommenschaft“ ausdrückt, „was von vielen Menschen in den anderen Kontinenten ja nur als eine Einladung verstanden werden kann, zu uns zu kommen und die Lücken zu schließen“. Der Bischof empfahl, es Maria in ihrer Glaubensfestigkeit nachzutun, den inzwischen bedrohten Sonntag als Tag des Herrn in „Sonntagsstaat“ zu ehren, ebenso das Kreuz, das für die vor-staatlich religiösen Wurzeln unserer Gesellschaft und unseres Zusammenlebens steht, nicht zuletzt weiterhin das Wallfahren zu pflegen, denn die Wallfahrtswege seien die „Pulsadern des christlichen Europa“ und die Marienwallfahrtsorte „Knotenpunkte der christlichen Vernetzung“. Zuletzt bat der Prediger um die Fürsprache der Gottesmutter, „dass wir die Fackel des Glaubens, die uns unsere Vorfahren übergeben haben, brennend halten und weitergeben können an die kommende Generation“.

Musikalisch gestaltet wurde dieses Pontifikalamt vom Kirchen- und Banaterchor St. Pius aus München unter Leitung von Franz Metz (der übrigens bei allen Gottesdiensten die Orgel spielte). Der Chor brachte sukzessive die „Missa brevis“ in G-Dur des rumäniendeutschen Komponisten Conrad Paul Wusching (1827-1900) zur Aufführung. Die Blaskapelle der HOG Sanktanna unter Leitung von Josef Wunderlich spielte am Schluss nach dem Segen zum Gedenken an die Toten die Trauermärsche „Ewige Nacht“ und „Ich hatt’ einen Kameraden“. Überflüssig zu bemerken, dass die Pilger den Kranz der Lieder für die Allgemeinheit gerne sangen. Auf dem Platz vor der Basilika waren dann heimatliche Klänge zu vernehmen, von beide Kapellen jeweils drei Stücke, mit vereinten Kräften vier.

 

Marienlieder und Andacht

Nach dem Mittagessen begann um 14.00 Uhr das Singen von Marienliedern in der Basilika, das um 14.30 Uhr von einer Marienandacht mit Msgr. Straub abgelöst wurde. Zu den „durchbeteten“ Gnadenstätten in Altötting seien auch die Päpste Pius XI. (1781) und Johannes Paul II. (1981) gepilgert. „Wer glaubt, ist nie allein, wer bittet, wird empfangen“, dieses Bewusstsein empfahl der emeritierte Visitator der Donauschwaben und Deutschen aus Südosteuropa zur nächsten Wallfahrt mitzunehmen. Straub beendete die 59. Altöttinger Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben um 15.00 Uhr mit dem sakramentalen Segen und der Weihe der von den Pilgern erworbenen Andachtsgegenstände.

 

Resümee

Die Veranstaltung insgesamt war wieder ein Erfolg, stiftete durch die internationale Beteiligung grenzüberschreitende Verständigung. Die souveräne Organisation unter Federführung von Josef Lutz aus Sanktanna/Nürnberg ermöglichte einen reibungslosen Ablauf. Über tausend Pilger kamen aus allen Richtungen. Neben Delegationen aus Rumänien, Serbien und Ungarn sowie Besuchern aus den USA, Kanada, Brasilien und Argentinien kamen Busse aus verschiedenen süddeutschen und österreichischen Städten. Die sich lichtenden Reihen der Erlebnisgeneration werden in würdiger Weise durch jüngere Nachfolger ersetzt, die sich zu Wendelin Grubers Gelöbnis und ihrem donauschwäbischen Erbe bekennen und weiterhin als Botschafter einer geschichtsbewussten Versöhnung wirken. Für die 60. Gelöbniswallfahrt am 13./14. Juli 2019 sollen Bischöfe aus allen drei Heimatländern der Donauschwaben eingeladen werden.

 

Stefan. P. Teppert